Jugendwort 2020: Lost

Jedes Jahr wird das Jugendwort des Jahres in einem Langenscheidt-Wettbewerb gewählt. Dieses Jahr ist „Lost“ der Gewinner des Online-Voting. 

Es gab drei Finalisten, Wild, Lost und Cringe. Aber knapp die Hälfte der Stimmen ging an das englische Wort „lost“, es wird in verschiedenen Situationen eingesetzt. Es bringt zum Ausdruck: „Eine Person, die lost ist, ist ahnungslos, verloren oder hat einfach keinen Plan, was eigentlich gerade abgeht.“ (https://www.boersenblatt.net/news/verlage-news/lost-ist-das-jugendwort-des-jahres-2020-151359 (16.10.2020)) 

Oft führt das Jugendwort zu Diskussionen und einer Auseinandersetzung mit Sprache. Das ist gut und gewollt. Sprache befindet sich in einem stetigen Wandel, nicht nur die Worte auch ihre Bedeutung ändert sich kontinuierlich. Das ist soweit bekannt und normal. Das Gute an dem Jugendwort ist, dass es ein Bewusstsein für Sprache und deren Nutzung schafft und fördert. Es ist gut, dass wir uns mit diesen Veränderungen und dem Wandel auseinandersetzen, darüber nachdenken und vor allem auch darüber zu sprechen. 

Das diesjährige Jugendwort ist ein Anglizismus, das mag viele Menschen stören, allerdings sollte man auch berücksichtigen, dass das Englische aktuell die Weltsprache ist. Als lingua franca prägt das Englische unseren Alltag und somit auch unsere Sprache. Natürlich hat das einen Einfluss auf unseren Sprachgebrauch und unser Sprachgefühl in der Muttersprache. 

Zudem sollte man bedenken, dass wir einen Großteil von Filmen und Serien aus den USA und der englischsprachigen Welt sehen. Hollywood und Netflix nehmen einen großen Einfluß auf unsere Perspektive auf die Welt und das Weltgeschehen. Es gab vor einiger Zeit eine Serie mit dem Titel Lost, die großen Erfolg und somit auch Einfluss auf uns hat. Vielleicht sollten wir daran denken, wenn wir „lost“ aus den Mündern von Jugendlichen hören. In der Serie sind Personen aus Realität und Alltag gerissen gezwungen eine neue Ordnung oder Gesellschaft zu erfinden und zu realisieren, einfach um zu überleben. 

Die aktuelle Situation mit der Corona-Pandemie muss vielen Jugendlichen das Gefühl der Verlorenheit und Hilflosigkeit geben. All die anderen Probleme, wie der Klimawandel, der mit der Friday for Future Bewegung thematisiert wurde, ist aus den Nachrichten verschwunden, aber ohne der Lösung näher gekommen zu sein. Daneben all die anderen Probleme und Katastrophen verschiedenster Art, Kriege, Plagen und Ungerechtigkeit bleiben oder werden durch Corona noch verschärft. Die Möglichkeiten persönlich etwas zu verbessern bleiben scheinbar gering.