Schnell, schnell, nicht beim Lesen

Geschwindigkeit und Beschleunigung beim Lesen

Die Menschen möchten, dass alles immer ganz schnell geht, um möglichst wenig Zeit zu verschwenden. Die Idee ist nett, aber Langsamkeit und Ruhe haben durchaus eine Daseinsberechtigung. Lesen sollte man mit Ruhe. 

Schnelllese-Apps und Techniken

Heute werden Schnelllese-Apps und Schnelllese-Techniken angepriesen. In manch einem Kontext haben sie sicher ihre Berechtigung, aber das Textverständnis leidet darunter leider sehr. Es ist allgemein bekannt, dass wir Texte auch schneller auffassen können. Diese Lesetechnik eignet sich besonders für kurze intensive Lesephasen, in denen wir eine bestimmte Information aus einem Text heraussuchen möchten. Für längere Texte eignet sich das nicht so gut, weil wir nach kurzer Zeit ermüden. Auch wird der Lesegenuss dabei zu kurz kommen. 

Viele wissen sicherlich aus eigener Erfahrung, dass wir Worte schnell erkennen und dann  glauben sie zu lesen. Das zeigt sich zum Beispiel dann, wenn wir Fehler finden sollen, oft sehen wir den ersten und den letzten Buchstaben eines Wortes und erahnen den Rest, der Schreibfehler wird übersehen. Es gibt Tests, die belegen, dass solange der erste und der letzt Buchstabe eines Wortes korrekt ist, dass geübte Leser den Text oder Satz trotzdem verstehen. 

Viele von uns vergessen auch, dass wir beim Lesen, den Text als Bild wahrnehmen, die Interpunktion lässt uns erahnen, wie der Satz verläuft, und somit können wir sehr viel schon im Voraus erahnen. Die Interpunktion vereinfacht also das Lesen und verbessert den Lesefluss. Darunter kann aber auch die Genauigkeit leiden, wenn wir zu schnell lesen.

Lesegeschwindigkeit variiert

Zudem müssen wir berücksichtigen, dass die Lesegeschwindigkeit immer variiert. Ein Beispiel, wenn wir auf eine schwierigere oder komplexere Passage treffen, dann werden wir automatisch langsamer. Das ist normal und zum Textverständnis nötig, manchmal, wenn der Text sehr schwer ist, kann es sogar erforderlich sein, den Text mehrfach zu lesen. Das ist aber bei keiner Schnelllesetechnik nicht vorgesehen. Insgesamt kann gesagt werde, dass die Schnelllesetechniken sich nicht für Romane eignen und auch für längere Texte nur dann interessant sind, wenn man gezielt eine bestimmte Information sucht. 

Buchstabenspiels Rat am Ende

Abschließend muss natürlich zugegeben werden, dass Lesen eine Fähigkeit ist, die trainiert werden muss und kann. Leseanfänger werden langsamer lesen, als geübte Leser. Es ist auch richtig, dass es eine Mindestlesegeschwindigkeit zu geben scheint, die für das Textverständnis wichtig ist, aber die Höchstgeschwindigkeit hängt von der Leseabsicht ab. Ich persönlich lese viel, aber den meisten Spaß macht mir das Lesen zum Genuss und das mache ich relativ langsam. Genießen ist einer der wichtigsten Anreize zum Lesen. 

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