Komplexität des Lesens

Die Komplexität des Lesens kann man nur schwer fassen und noch schwieriger ist es, Nachlesen oder Leseanfängern zu vermitteln. Leseförderung wird von Lehrern, Verlegern und verschiedenen Institutionen lautstark gefordert, um Bildung und Integration zu ermöglichen. Die Ziele sind idealistisch und sicher gut, aber wie kann man jemanden zum Lesen bringen?

Motivation scheint das Zauberwort zu sein, aber ist es wirklich so? Nun, ja, Lesen ist eine Fähigkeit, die erlernt werden muss und dazu gehören viele verschiedene kleine Schritte. Als erstes muss das Alphabet mit typischen Lautkombinationen erlernt werden, damit das geschriebene Wort erkannt und nachgesprochen werden kann. Jede Sprache hat bestimmte Laute und Lautkombinationen, die sich in typischen Buchstabenkombinationen zeigen.

Es gibt Personen, die ein Wort, Sätze und ganze Texte lesen können, diese aber nicht verstehen. Das ist schon eine weitere Fähigkeit. Meist können Lehrer an der Art, wie ein Schüler liest, heraushören, ob er versteht oder nicht. Einzelne Worte und Sätze werden meist relativ problemlos verstanden, aber komplexere Sätze und Texte können eine Herausforderung sein. Ein Beispiel ist, dass Vorleser manchmal einen Absatz noch einmal leise für sich lesen, bevor sie Fragen dazu beantworten können. Daran sieht man, dass Lesen eben doch weit mehr ist, als das was geschrieben steht zu wiederholen.

Fragen sind enorm wichtig beim Lesen. Niemand ist in der Lage von der Lektüre von geschriebenen Worten zu profitieren, wenn das ohne eine Frage geschieht. Die Fragen lenken unsere Erkenntnis und damit das Verständnis von dem, was wir lesen. Die Fähigkeit an den Text Fragen zu stellen, ist deshalb so wichtig. Typische Fragen sind: Was? Oder genauer gesagt, was für ein Text ist dasWer? Warum? Also, was ist der Grund für das Schreiben des Textes. Wofür? Mit welchem Ziel, mit welcher Absicht wurde der Text geschrieben? Für wen? Natürlich spielt es eine große Rolle, für wen ein Text geschrieben wurde, der sogenannte Adressat bestimmt nämlich auch die Wortwahl.

Können die Fragen Motivation sein oder können sie motivieren einen Text zu lesen? Vielleicht. Sie zeigen zumindest was mit Lesen gemacht werden kann, wie es genutzt wird und wie es zu etwas Neuem führen kann. Ob das zur Sinnstiftung reicht, ob es eine Motivation ist, das ist schwer abzuschätzen, zumal aus der Sicht des Lesers.

Lesen kann Wissen, Kenntnisse, Fähigkeiten und vieles mehr ermöglichen, aber es muss aktiv gelesen werden. Das trifft auf das Lesen in der Muttersprache genauso wie auf das Lesen in der Fremdsprache zu. Wer in verschiedenen Sprachen liest, kann Perspektivwechsel erleben, aber dazu mehr in einem anderen Beitrag.

Kontextualisierendes Lesen

In den letzten Tagen wurde vermehrt das Thema Lesen in den Medien thematisiert. Klar, die Verlage haben Bilanz gezogen, wie das letzte Jahr gelaufen ist, was und wie viel verkauft wurde und natürlich auch an wen. Die Stimmung ist wie so oft wenig optimistisch, weil die Zahl der verkauften Bücher sinkt. Aber eigentlich geht es ums Lesen und die Zahl der Leser sinkt auch. Laut Umfragen lesen weniger Menschen und die die Lesen, lesen weniger.

Die Gründe für den Rückgang an Lesern sind vielfältig und sicher nicht leicht zu fassen. Gezielte Leseförderung versucht daran anzusetzen. Natürlich sind die Medienangebote reichhaltig und vielseitig, da entscheiden sich viele Nichtleser wieder für einen Film, ein Videospiel oder eine andere Art der Rezeption. Denn es muss auch klar gesagt werden, dass viele Themen sich in den unterschiedlichen Formen wiederholen. Das beweist zum Beispiel eine Ausstellung, die gerade in Sevilla zu bestaunen ist, der Titel ist: Disney – Die Kunst des Geschichtenerzählens. Die Ausstellung gefällt mir persönlich sehr gut. Es wird gezeigt, wie alte Themen wieder aufgegriffen und in abgewandelter Form immer wieder neu erzählt werden. Aber es bleibt nicht nur bei einer Erzählung, es werden auch Bilder gemalt und Filme gedreht, die die Fantasie der Rezipienten, also Kinder und Erwachsenen prägend beeinflussen. Denn bei Nacherzählungen oder den neuen Fassungen gibt es immer wieder kleinere und auch größere Veränderungen, die den Geschmack der Zeit wiederspiegeln und vielleicht auch mit einer Absicht des Autoren einhergehen kann. Derzeit ist die Geschichte Frozen bei vielen Kindern sehr beliebt, sie geht auf ein Märchen von Hans Christian Andersen zurück, derartige Beispiele gibt es viele.

Verdenken kann man es niemandem, denn es wird die ganze Zeit vom Input geredet, Entspannung und Erholung werden oft wenig berücksichtigt. Ein Film dient der Unterhaltung und Lesen wird mit Wissenserwerb verbunden, besonders bei Kindern und Jugendlichen. Dabei kann Lesen auch zum Entspannen beitragen. Das Lesen von Büchern ist weit mehr als Input, Reflektieren und Lernen, daneben kann Lesen auch entspannend, erholend und regenerierend wirken. Da stellt sich natürlich die Frage, wie man Kindern und Jugendlichen Spaß beim lesend Erholen vermittelt.

Klar ist, dass nur Fähigkeiten, die man gut beherrscht und ohne Druck ausübt die Möglichkeit bieten sich dabei zu entspannen. Wichtig ist in meinen Augen immer Lesen als eine aktive Auseinandersetzung zu sehen. Dabei kann es helfen, dass gemeinsam gelesen wird, hier ein Beispiel, um das zu verdeutlichen: Ein Lese-Ritual in der Familie kann dazu führen, dass mehr, besser und auch freiwilliger gelesen wird. Fragen helfen noch einmal übe den Text nachzudenken. Eine weitere Idee ist, das Kontext von bestimmten Lesern gegeben wird, sei es über den Autor, die Zeit, die einzelnen Ideen von Büchern oder auch bestehende Übersetzungen. Es gibt auf diese Art und Weise viele Möglichkeiten Nichtleser an das Lesen heranzuführen. Natürlich kann es dazu auch gehören, dass ein Film gesehen wird oder ein Videospiel gespielt wird.

Klage der Verlage

Viele Verlage und auch die Buchbranche als solche klagen, warum, sie sehen das Buch in der Krise. Es wird offen gefragt, ob das Buch als Medium noch zu retten ist, weil zum einen wird immer weniger gelesen und zum andern werden auch immer weniger Bücher gekauft. Aber gleichzeitig gibt es mehr Literaturhäuser und Literaturfestivals den je. Wie passt das zusammen?

Hat sich die Buchkultur geändert oder befindet sie sich im Wandel? Das ist möglich, denn es gibt seit einigen Jahren neben den Papierbüchern und Hörbücher nun auch noch elektronische Bücher. Das ist sicher eine Veränderung. Wie passt da der Eventcharakter dazu. Nun, es muss klar festgestellt werden, dass viele Bereiche des menschlichen Lebens heute einen Eventcharakter haben, so wird der Urlaub zu einer Fotostory auf social media Plattformen, die Selfie-Kultur hat sich stark etabliert und der Alltag hat sich ganz allgemein verändert. Muss das Buch da einfach auch mitmachen, um weiter Erfolg zu haben?

Vielleicht, Messen, Lesungen und Events bieten zumindest hervorragende Möglichkeiten Bücher zu präsentieren. Aber was mir noch wichtiger erscheint, neben dem Buch muss auch der Autor heute noch stärker in Erscheinung treten. Das mögen viele Autoren vermutlich nicht, aber es gehört heute zum Selbstverständnis. Wenn Autoren ihre Bücher präsentieren, dann bekommt der Leser mit der Stimme des Autors vorgelesen und motiviert zum selber Lesen, aber er ermöglicht auch ein Reden über das Buch und das Gelesene. Das ist vielen Lesern wichtig.

Wie die Zukunft des Buches aussieht, das ist schwer abzusehen, aber es wird sicher auch weiter gelesen. Vielleicht wird man weniger mit sich selbst und seinen Gedanken beim Lesen allein sein. Es ist aber auch möglich, dass sich der Trend wieder wendet und doch wieder alleine und auch mehr gelesen wird. Als Autorin biete ich meine Bücher gerne allen Lesern an.

 

Fragen über Fragen

Ganz gleich, was wir tun, wenn wir mit Freunden, Bekannten oder auch fremden Menschen kommunizieren möchten, dann helfen uns Fragen. Aber nicht nur bei der direkten Kommunikation sind Fragen hilfreich, auch wenn wir einen Text oder ein Buch lesen, dann helfen uns Fragen, den Text in einen Kontext einzuordnen, die Absicht des Textes zu verstehen oder Aspekte herauszuziehen.

Kurz und gut: Fragen sind ein wichtiger Bestandteil von Kommunikation. Deshalb hier der Tip an schüchterne Menschen, stellt eurem Gegenüber Fragen, dann könnt ihr in Ruhe zuhören und müsst nicht selber reden oder ihr könnt das Gespräch auf ein Thema lenken, das euch liegt. An Leser oder solche, die gerne Leser werden möchten und alle, die aus dem einen oder anderen Grund ein Buch lesen müssen, stellt Fragen an das Buch. Manchmal ist nicht schon nach dem ersten Satz klar, was das Buch möchte oder warum jemand möchte, dass ihr das Buch lest, aber Fragen, können helfen.

Es ist doch so, dass Small talk ein Gespräch einleiten kann, hilft jemanden kennenzulernen oder eine Situation erläutert. Wer Fragen stellt, zeigt mehr als nur Interesse, er zeigt, dass er aktiv bei der Sache ist. Beim Lesen kann ein Lesetagebuch oder ein Leseleitfaden helfen, das Lesen als aktive Tätigkeit mit Fragen zu lenken. Ihr könnt dazu selbst Fragen formulieren oder einen Vordruck benutzen, bei Xinxii gibt es ein Lesetagebuch für Kinder und Jugendliche und auch einen Leseleitfaden für junge Erwachsene und Erwachsene von D.S. Felix. Testet es, es ist ganz einfach. Stellt mehr Fragen.

Liebe zur Literatur

Wenn ich unter meinen Freunden frage, wie diese zum Lesen gekommen sind, dann fällt eins auf, die Liebe zur Literatur ist nicht in der Schule entstanden. Lesen ist eine Beschäftigung, die die Menschen in zwei Gruppen teilt, einerseits diejenigen die lesen und dann die, die es eben nicht tun.

Wo kommt die Liebe zur Literatur dann also her? Wie kann man die Liebe zur Literatur wecken? Wie kann man Nichtleser zu Lesern machen? Wer eine Antwort auf diese Frage hat, wird mit Sicherheit Ruhm und Ehren ernten. Leider ist noch keine Universallösung bekannt.

Aber das Thema treibt mich um und ein Resultat sind Nacherzählungen von deutschen Klassikern. Viele Klassiker sind vor langer Zeit verfasst worden und zeichnen sich dementsprechend durch eine recht altertümliche Sprache oder Ausdrucksweise aus, was die Texte für viele Leser heute schwer zugänglich machen. Deshalb habe ich angefangen einige ausgewählte deutsche Klassiker nachzuerzählen. Meine Nacherzählungen sind relativ nah am Text, ich lege Wert auf Textreue. Trotzdem gebe ich die Geschichte in meinen eigenen Worten wieder, somit handelt es sich um einen modernen und aktuell verständlichen Text. Bisher habe ich Goethes Faust, Schillers Räuber, Storms Schimmelreiter, Lessings Nathan, Eichendorfs Taugenichts und Kellers Kleider machen Leute nacherzählt… Weitere Geschichten werden folgen. Die Nacherzählungen erscheinen im Friedrich-Maerker-Verlag und können als gedruckte Bücher oder als elektronische Bücher gelesen werden.

Vielleicht ist es kein großer Beitrag zur Leseförderung und sicher erreiche ich nicht alle Nichtleser mit meinen Nacherzählungen, aber ich hoffe doch Leute zum Lesen zu motivieren.

 

Ein neues Jahr…

Ein gutes und gesundes neues Jahr wünscht Euch Euer Buchstabenspiel! Auf dass es ein gutes Jahr wird.

Ein arbeitsreiches Jahr liegt vor Buchstabenspiel, es ist viel geplant, verschiedene Projekte stehen vor der Vollendung, aber bis dahin ist es noch ein ganzes Stück Arbeit. Die Lektüreliste ist auch wieder gewachsen, es gibt so viele tolle Bücher… und die wollen alle gelesen werden. Nicht zu vergessen, dass da auch noch verschiedene weitere Hobbys und Aktivitäten warten. Ganz in diesem Sinne, wird nicht lange rumgeschwafelt, sondern gleich tatkräftig losgelegt.

Dieses Jahr soll wieder ein Klassiker nacherzählt werden, angedacht ist die Geschichte der Königskinder, ein weiterer Klassiker – Kleider machen Leute – ist schon soweit vorbereitet und kann veröffentlicht werden. Daneben sind auch aktuelle Fassungen von Märchen geplant und verschiedene Kurzgeschichten sollen veröffentlicht werden. Natürlich wartet auch eine neue Reihe zweisprachiger Bücher.

Neben der Arbeit an den Texten und Veröffentlichungen werden die Bücher auch bei verschiedenen Messen in Deutschland und Österreich vorgestellt werden, den Auftakt wird im März die Buchmesse Leipzig darstellen. Also, es gibt viele Möglichkeiten, lasst sie uns ergreifen.